Dieter E. Gellermann

PR-Berater, Journalist (DJV), professioneller Textbegleiter
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Pannen (Ausgabe Oktober 2011)

Dieter Gellermann | 31. Oktober 2011

Die Journalistensprache vergreift sich gerne an Superlativen, gerne wird dabei noch gesteigert, was nicht mehr zu steigern ist. Zwei Beispiele:

Die Auslese aus einem bestimmten Personenkreis ist besser bekannt als Elite. Ein Rundfunksprecher wollte diese Elite neulich noch steigern: Er erfand die Top-Elite und bewies damit kein Sprachgefühl.

Ähnlich ging es einem anderen Hörfunkkollegen. Er wollte sich besonders einfühlsam zeigen und empfand eine bestimmte Situation als besonders emotional. Wie vermittelte er das? Er sagte: Die Stimmung war “am spürbarsten”. Dachte er, eine Empfindung wie “spürbar” ließe sich noch steigern? Ich vermute fast und liege damit gewiss “am richtigsten”.

Andere Baustelle: Was meinte Frau BK Merkel neulich zur Griechenland-Finanzsituation? Sie bezeichnete den Schuldenschnitt, auf den man sich einigte, als Haircut (Haarschnitt). Die Financial Times Deutschland fühlte sich an einen Mafia-Film erinnert, der Standard aus Österreich witzelte:”Ob Athen mit dem Haarschnitt nachhaltig in Fasson gebracht wird, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten”. Ernste Dinge sollte man, – das zeigt diese Episode, – nicht durch zweifelhafte Bilder und verniedlichende Bildersprache verniedlichen.

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Bilder, Bildersprache, Elite, Hörfunk, Radio, Sprachbilder, Steigerung, Superlative
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Unter dem Rettungsschirm (2)

Dieter Gellermann | 30. Oktober 2011

Vor knapp einem Jahr habe ich versucht, das Bild des Rettungsschirms zu zerpflücken unter http://www.d-e-g.de/2010/11/21/unter-dem-rettungsschirm/

Jetzt wurde der Rettungsschirm mit einem Hebel verbunden. Dieser Hebel ist aber nicht in den (physikalischen) Hebelgesetzen zu finden. Auch passt ein Hebel weder zum Sonnen-, noch zum Regen- und auch nicht zum Fallschirm. Doch halt, – habe ich nicht mal einen Biergartenschirm gesehen, der so groß war, dass man ihn mittels Hebelwirkung  öffnen konnte und dabei viel Kraft einsparen konnte. Das muss es sein: Den Hebel am Rettungsschirm können wir leicht einsetzen, wenn wir mehr Gerstensaft konsumieren. Da muss etwas dran sein. Deshalb Prost!

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Bild, Hebel, Rettungsschirm
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Kennen Sie den Näkubi?

Dieter Gellermann | 30. September 2011

Viele Dinge des täglichen Lebens haben keinen Namen wie etwa das Gerät, mit dem man Verstopfungen des Abwassersystems bekämpfen kann. Im Norden nennt man das “Pömpel”, im Süden eher “Saugglocke”.

Wenn wir satt sind, sind wir satt. Aber wie fühlen wir uns, wenn wir nicht mehr durstig sind? Undurstig? Dazu gab es vor Jahren einen Wettbewerb und der Gewinner war die Bezeichnung “sitt” für den Zustand der Flüssigkeitssättigung. Aber benutzt den jemand heute?

Und, – haben wir nach all der Zeit einen allgemein gültigen Begriff gefunden für die zehn Jahre, die inzwischen hinter uns liegen, aber in jedem Rückblick als solche bezeichnet werden sollten?

Wenn wir das alles wissen, was könnte dann der “Näkubi” sein? Das ist, – ich verrate es gerne, – ein mir bis heute unbekannter Begriff für die Warentrennung zwischen zwei Käufern am Warenlaufband in Supermärkten. Er steht für: “Nächster Kunde Bitte”. Warentrenner oder Warensperre fände ich gelungener. Aber vielleicht hat sich bei Ihnen schon etwas eingebürgert. Verraten Sie es mir im Kommentar, – ich freue mich drauf.

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Bezeichnung, Kommentar, Namen, Wettbewerb
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Doppelt dasselbe spricht nicht für sich

Dieter Gellermann | 30. September 2011

Kann man eine Empfehlung empfehlen? Wohl kaum. Besser wäre es bei diesem Gasthaus am Rande des Bodensees gewesen, wenn es eine Tagesspezialität angeboten hätte, ein Tagesangebot empfohlen oder ein Gericht des Tages oder – in diesem Fall – auch ein “plate du jour”.

Schön wäre es gewesen, wenn die Gastronomen dann auch noch auf den Plakatständer geschrieben hätten, worin die Tagesempfehlung bestanden hätte. Darin erhält der Uferpromenierende wohl auch heute noch keine Aufklärung: Erhält man Schweine- oder Rindfleisch, Kalbsbraten, Wild oder Fisch, etwas Vegetarisches, Pizza, Nudeln, Kartoffeln, Reis oder Spätzle? Wenn man Hungrigen nur Salat, Suppe oder Dessert verspricht, läuft gewiss niemandem das Wasser im Munde zusammen. Die können siebeneinhalb Euro noch so günstig sein. Dienst am Kunden sieht anders auch und beginnt in diesem Fall bei der korrekten Anwendung der Sprache.

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Botschaft, Gaststätte, Kunden
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Steigern kann gekonnter sein

Dieter Gellermann | 30. August 2011

Eine Steigerung hat drei Stufen, so haben wir das gelernt. Auf die Grundstufe (Positiv) folgt die Vergleichsstufe (Komperativ) und darauf schließlich die Höchststufe (Superlativ). Gerne möchte man jedoch größer sein und höher hinaus als es die deutsche Grammatik erlaubt. Deshalb findet die Werbung, die Politik, die Sportberichterstattung und ein paar andere Zeitgenossen immer wieder neue Möglichkeiten, die klassische Steigerung  noch zu toppen. Ein paar Beispiele?

BILD-Chefredakteur Kai Diekmann wohl zur Ausgabe vom letzten Samstag (27.8.):
groß – größer – BILD

Der Focus zu Studienmöglichkeiten an Unis in Mitteldeutschland:
gut – besser – Ostdeutschland

Bierwerbung in Österreich:    gut – besser – Gösser

Mieten in Deutschland laut ZDF:   hoch – höher – unbezahlbar

Nach dem Formel-1-Rennen dieses Jahr in Malaysia:
schnell – schneller – Vettel

Internettechniker kennen das unter:   schnell – schneller – Glasfaser

Der Spiegel sah Landesbanken schon 2009 in der Krise und formulierte:
groß – größer – Größenwahn

Ungarn-Premier Viktor Orbán befand laut presseurop.eu:
groß – größer – Ungarn

Internet-Dating-Plattform C-Date befand:
berühren – verführen – spühren
Besonders schön hier die Schreibweise des letzten Wortes

Noch der Werbespruch des Buchhändlers Osiander aus Südwestdeutschland:
Buch – Bücher – Osiander

Ich fand noch: gut – besser – ökologisch

Einer Steigerung fehlt noch der Superlativ: Moin – Moinsen

Falsch bleiben bei allem Spaß der obigen Steigerungsformen, die ich gerne so stehen lassen möchte, jedoch die nicht erlaubten Formen des Elativs, die da heißen:
keinsten Falls, optimalst oder maximalst. Solche bitte streichen!

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Grammatik, Steigerung, Superlativ, Werbung
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Wie gehen wir miteinander um?

Dieter Gellermann | 25. August 2011

Urlaubszeit ist Hochzeit für Beschwerden. Zum Thema der Urlaubsbeschwerden las ich neulich folgende Gegenüberstellung in der Süddeutschen Zeitung:

Der Italiener geht zur Frau an der Rezeption und macht ihr Komplimente. Ein Schweizer würde die Leidensmiene aufsetzen und erklären, er bange um seine Gesundheit. Ein Deutscher dagegen würde sofort mit einer Klage drohen.

So sind – verkürzt betrachtet – die unterschiedlichen Auffassungen bei nur einem Punkt. Die tägliche Kommunikation vollzieht sich von Landstrich zu Region überall etwas anders. Die einen mögen etwas derber sein, die anderen ein wenig gefühlvoller. Psychologen und Neurowissenschaftler hätten und haben ihre Freude an den unterschiedlichen Reaktionen, die sie beobachten können.

Was ändert das im Alltag? – Leider nur das, was wir selbst in die Hand nehmen und dort, wo wir gewisse Unzulänglichkeiten akzeptieren. Damit es möglichst wenig gibt, was Ihr Gegenüber schlucken muss, wird ein Textfachmann oder eine Textfachfrau aktiv. Bei Fragen zu unfallfreiem Schreibstil wenden Sie sich am besten an einen erfahrenen Textexperten.

Dies ist übrigens der hundertste Beitrag in meinem Blog. Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

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Beschwerde, Klage, Kommunikation, Textexperten
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Entrümpeln Sie Ihren Stil

Dieter Gellermann | 30. Juli 2011

Das generelle Entrümpeln des eigenen Sprachstils empfiehlt Key-Note-Speaker Prof. Dr. Lothar Seiwert (www.seiwert.de). Dem kann ich mich nur anschließen. Auch ich empfehle meinen Kunden stets zu kürzen, nichts Banales in Worte zu kleiden, denn das mah heute niemand mehr lesen. Die Zeit hat auch keiner und Aufmerksamkeit bekommt nur, wer gleich zum Punkt kommt.

Seiwerts Kompetenz gehört dem Zeitmanagement: Was lässt sich einsparen? Wie kann man sich auf wirklich Wichtiges beschränken. Mehr noch: Der Zeitmanagement-Fachmann spricht hier vom “Pizza-Taxi-Effekt” und meint damit: Erst kommt das Dringende, dann das Wichtige. Für eine dritte Kategorie ist im Business heute keine Zeit mehr.

Zu Seiwerts Regeln gehören:

1. In den ersten beiden Sätzen müssen Sie das Wesentliche aussagen.

2. Bei E-Mails kommt es auf kurze signifikante Texte in der Betreffzeile an, wenn Sie gelesen werden wollen.

3. Kurze Worte werden gelesen, ellenlang ausfallende Sprachschöpfungen nicht.
(Bei Sprachspielen ist das etwas Anderes. Siehe dazu den nächsten Beitrag “Stresstestschlichtung…”)

4. Füllwörter braucht niemand. Streichen Sie deshalb “auch”, “quasi” und “sozusagen”.

5. Redundanz / Wiederholungen werden in Internet-Texten nicht gebraucht. An anderen Stellen mögen sie ihre Funktion haben.

Mehr ist dazu nicht zu sagen. Klar?

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Aufmerksamkeit, Banales, Entrümpeln, kürzen, Sprachstil, Stil, Zeitmanagement
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Medien dürfen Täter nicht zu Helden machen

Dieter Gellermann | 26. Juli 2011

Dem Statement von Jochen Kalka, Chefredakteur des Medienmagazins W&V, zu den Katastrophen von Oslo und der Schäreninsel muss ich nichts hinzufügen. Wir dürfen Verbrechern in unseren Medien keine Plattform geben, keine Namen nennen und sie auch nicht per Foto festhalten.

Jochen Kalka kommentiert:
“Focus, Spiegel und Co. machen den Täter zum Helden. Wieder einmal. Und zum Vorbild für Loser. Wieder einmal. Warum aber lernen diese wichtigen Leitmedien nichts dazu?”

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Foto, Medien, Plattform, Täter
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Verräterische Sprache

Dieter Gellermann | 26. Juni 2011

Wissen Sie, was ein Sprachprofiler ist? Raimund Drommel ist so einer. Jetzt erschien sein Buch zum Thema: “Der Code des Bösen. Die spektakulären Fälle des Sprachprofilers” im Heyne Verlag.

Der Autor ist seit 25 Jahren im Auftrag der Justizbehörden mit der Analyse von Erpresserbriefen und anderen Schreiben befasst. Er analysiert Wortgebrauch und typische Fehler, vergleicht Texte mit anderen Unterlagen und findet Gemeinsamkeiten heraus. Er findet “Jeder Mensch hat ein sprachliches Individualprogramm, einen individuellen Code, der auch durch Verstellen und bei erzwungenen Geständnissen nicht verändert werden kann.” (Zitat nach Stuttgarter Zeitung, 21.6.2011).

Damit unterstreicht Drommel die Bedeutung von Sprache, selbst im Umfeld von Kriminalität. Die persönlichen Macken, die sich in einen Text einschleichen, wenn man ihn als Nichtprofi aufsetzt, lassen sich vermeiden, wenn die Schreiben im Team erstellt werden oder von einem professionellen Autoren.

Der spektakulärste Fall, an deren Aufklärung Drommel beteiligt war, war übrigens der Abschiedsbrief des früheren Ministerpräsidenten Uwe Barschel.

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Brief, Profil, typische Fehler, Wortgebrauch
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Betrüger fiel durch Rechtschreibung auf

Dieter Gellermann | 30. Mai 2011

Haben Sie den Fall des falschen Arztes Sascha Schenk verfolgt, der kürzlich vor einem Stuttgarter Gericht verhandelt wurde? Der junge Mann gab vor Mediziner zu sein und kam so zu Arztjobs an verschiedenen Krankenhäusern. Seine Kenntnisse als Rettungsassistent und ein sicheres Auftreten genügten wohl, um in den Kliniken akzeptiert zu werden.

Wodurch fiel er schließlich auf? Durch seine mangelhafte Rechtschreibung und Fehler, die man als studierter Mediziner eigentlich nicht machen dürfte. Und was lernen wir daraus? Gute Rechtschreibkenntnisse sind auch heute noch wichtig, wenn es darum geht, in einem bestimmten Umfeld nicht aufzufallen. Wäre Herr Schenk, der in Wirklichkeit ganz anders heißt, besser in Deutsch gewesen, hätte er seine Betrugsmasche wohl noch länger spielen können.

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Betrug, Fehler, Rechtschreibfehler, Rechtschreibung
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