Dieter E. Gellermann

PR-Berater, Journalist (DJV), professioneller Textbegleiter
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Pannen (Ausgabe Oktober 2011)

Dieter Gellermann | 31. Oktober 2011

Die Journalistensprache vergreift sich gerne an Superlativen, gerne wird dabei noch gesteigert, was nicht mehr zu steigern ist. Zwei Beispiele:

Die Auslese aus einem bestimmten Personenkreis ist besser bekannt als Elite. Ein Rundfunksprecher wollte diese Elite neulich noch steigern: Er erfand die Top-Elite und bewies damit kein Sprachgefühl.

Ähnlich ging es einem anderen Hörfunkkollegen. Er wollte sich besonders einfühlsam zeigen und empfand eine bestimmte Situation als besonders emotional. Wie vermittelte er das? Er sagte: Die Stimmung war “am spürbarsten”. Dachte er, eine Empfindung wie “spürbar” ließe sich noch steigern? Ich vermute fast und liege damit gewiss “am richtigsten”.

Andere Baustelle: Was meinte Frau BK Merkel neulich zur Griechenland-Finanzsituation? Sie bezeichnete den Schuldenschnitt, auf den man sich einigte, als Haircut (Haarschnitt). Die Financial Times Deutschland fühlte sich an einen Mafia-Film erinnert, der Standard aus Österreich witzelte:”Ob Athen mit dem Haarschnitt nachhaltig in Fasson gebracht wird, dazu gibt es unterschiedliche Ansichten”. Ernste Dinge sollte man, – das zeigt diese Episode, – nicht durch zweifelhafte Bilder und verniedlichende Bildersprache verniedlichen.

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Bilder, Bildersprache, Elite, Hörfunk, Radio, Sprachbilder, Steigerung, Superlative
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Wasserfall

Dieter Gellermann | 31. Oktober 2011

Film http://www.youtube.com/watch?v=SwLT5II7X2Q

Wie bei einem Wasserfall kann man auch mit Sprache kaskadenartig stets Neues erschaffen. Das geht mit einigen spielerischen Überlegungen. Hier und heute drei Beispiele dafür:

1) Assoziationsspiel

Die Spieler müssen sich zu jedem vorher genannten Begriff einen neuen einfallen lassen und ihn auf Nachfrage auch begründen können. Beispiel:

Wasserfall – Bach – Mühle – Mehl – Brot – Marmelade – Zucker – Kaffee – heiß – Äquator – Afrika – Elefant – …

2) Metamorphosen

Die Spieler müssen aus dem zuvor aufgeschriebenen Wort einen Buchstaben austauschen, so dass ein neues sinnvolles Wort entsteht. Was ein sinnvolles Wort ist, entscheidet die Spielerrunde gemeinsam. Auf jeder Position sollte jeder Buchstabe mindestens einmal verändert werden. Beispiel mit 5-buchstabigen Wörtern:

WORTE – BORTE – BORKE – BIRKE – BIRNE – BIENE – BIESE – BIEST – BREST – OREST

3) Durchgeschüttelt

Hier kommt es auch nicht auf die Position der Buchstaben an. Die Buchstaben der neuen Wörter dürfen völlig durchgeschüttelt sein. Bei jeder Wortkette gilt auch hier: Jeder Buchstabe sollte wenigstens einmal durch andere ersetzt werden. Beispiel mit sechsbuchstabigen Wörtern:

Rummel – Murmel – Metrum – Muster – Mutter – Tuerme – muerbe – Amberg)1 – Mirage – Grimes)2 – Griese)3 – reisen – reiten – Trense – Ostern – Storno

)1 Stadt in Bayern; )2 Opernfigur bei Benjamin Britten, )3 dt. Erzähler (1975 gestorben)

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Assoziation, Spiel, spielen, Sprache
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Schlecker regt sich über Kritik auf

Dieter Gellermann | 31. Oktober 2011

Mit der Drogeriemarkt-Kette sollte es aufwärts gehen, aber der neue Slogan gefällt vielen Insidern und Kunden nicht. Dieser Claim lautet: “For You, Vor Ort”

Selbst die, die weder Deutsch noch Englisch beherrschen, werden feststellen, dass hier beide Sprachen auf irritierende Weise vermischt wurden. Zugegeben, eine Aussage aus vier Wörtern mit jeweils genau drei Buchstaben, – das hat etwas. Wenn da nicht der sprachliche Bruch drin wäre. Kann sich da niemand so recht entscheiden, welcher Markt zu bedienen ist? Das vermutet man fast.

Seit Bekanntwerden des Slogans hat es viel Kritik daran gegeben. Die Reaktion des Hauses Schlecker war schon sehr seltsam: Das Management bestand darauf, dass man ja bestimmte Käuferschichten ansprechen möchte und die seien ja nicht so gebildet. Außerdem verbat man sich die Kritik im Netz.

Nun, wenn man eher einfachere Kunden ansprechen möchte, dann muss man den Slogan auch eher eindimensional halten und ihn nicht  aus zwei Sprachwelten kombinieren. Andererseits frage ich mich, warum Schlecker nur Kunden aus einer sozialen Schicht ansprechen möchte. Hat man nicht mehr Erfolg, wenn man alle sozialen Gruppen anspricht? Das würde ich mal schleunigst tun.

Und dann habe ich noch eine Idee für einen neuen Slogan, – ob er besser ist sollen andere entscheiden, – er stellt in jedem Fall klar, dass der Drogeriemarkt für alle da ist. Er lautet:

Schleck – Ich       Schleck- Du       Schlecker

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Kritik, Slogan, Sprache, Unternehmenskommunikation
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Unter dem Rettungsschirm (2)

Dieter Gellermann | 30. Oktober 2011

Vor knapp einem Jahr habe ich versucht, das Bild des Rettungsschirms zu zerpflücken unter http://www.d-e-g.de/2010/11/21/unter-dem-rettungsschirm/

Jetzt wurde der Rettungsschirm mit einem Hebel verbunden. Dieser Hebel ist aber nicht in den (physikalischen) Hebelgesetzen zu finden. Auch passt ein Hebel weder zum Sonnen-, noch zum Regen- und auch nicht zum Fallschirm. Doch halt, – habe ich nicht mal einen Biergartenschirm gesehen, der so groß war, dass man ihn mittels Hebelwirkung  öffnen konnte und dabei viel Kraft einsparen konnte. Das muss es sein: Den Hebel am Rettungsschirm können wir leicht einsetzen, wenn wir mehr Gerstensaft konsumieren. Da muss etwas dran sein. Deshalb Prost!

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Bild, Hebel, Rettungsschirm
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Die Funxion ohne Refleksion sollte indexiert werden

Dieter Gellermann | 30. Oktober 2011

Angesichts dieser Überschrift werden sich manche Leser an den Kopf fassen: Was ist denn jetzt mit dem Blog unseres Textbegleiters los? Hat der eine neue Rechtschreibung eingeführt?

Weder noch. Ich wollte nur mal ein paar Fremdwörter aufgreifen, die häufig falsch geschrieben werden.

Dazu zählen die Funxion (richtig: Funktion), die Refleksion (korrekt: Reflexion) und das indexieren (verbessert zu indizieren). Schreibern unterläuft allzu oft etwas Falsches bei Fremdwörtern. So auch beim Lizensieren, das sich von der Lizenz ableitet und deshalb mit zwei “z” geschrieben werden muss (lizenzieren). Häufig findet man die Ekstase falsch geschrieben als Extase. Hier wäre ersteres richtig. Konstanz heißt die Stadt am Bodensee, was uns noch lange nicht das Recht gibt, den Konsenz oder den Dissenz mit einem “z” abzuschließen (korrekt sind also Konsens und Dissens). “Sensus” ist das lateinische Wort, das hier einen Sinn ergibt. Der Algorhythmus ist so leider auch falsch, weil er nichts mit dem oft auch falsch geschriebenen Rhythmus zu tun hat, sondern mit Algoritmus (Art der indischen Rechenkunst). Leider fällt mir auch kein Achsion zur Reduxion von Fehlern ein, da hier auch wieder beide Fremdwörter nicht korrekt geschrieben sind: Über ein Axiom zur Reduktion von Fehlern würde ich mich freuen. Ein Wort habe ich als fehlerhaftes konstruiert. Vielleicht kann sich die doppelten Fehler so leichter merken in – Nazionalhümne.

Mehr zu Schreibfehlern findet man bei der schönen Zusammenstellung von PhiloPhax Philipp Lohberg bei www.schreibfehler.info

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Fehler, Fremdwörter, Funktion, Rechtschreibfehler, Reflexion, Schreibfehler, Textbegleiter
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